Agnes und seine Brüder

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Filminfo

Darsteller

Regie

  • Oskar Roehler

Drehbuch

  • Oskar Roehler

Kamera

  • Carl F. Koschnick

Schnitt

  • Simone Hofmann

Produzent

  • Stefan Arndt

Musik

  • Martin Todsharow

Erscheinungsjahr

2004

Produktionsland

Deutschland

Originalsprache

Deutsch

Originaltitel

Agnes und seine Brüder

Länge

111 Minuten

Altersfreigabe (FSK)

16 Jahre
Agnes und seine Brüder ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2004.

Handlung

Werner, Hans-Jörg und Martin, der sich jedoch nach einer Geschlechtsangleichung Agnes nennt, sind Brüder. Der älteste der Brüder, Werner, ist grüner Staatssekretär im Bundesumweltministerium und hat als großes politisches Ziel die Einführung des europaweiten Dosenpfands. Seine Ehe mit Signe ist in der Krise, sein Sohn Ralf filmt ihn in den peinlichsten Situationen. Hans-Jörg ist Bibliothekar in einer Universitätsbibliothek. Sein größtes Problem ist seine Sexsucht. Er stellt Studentinnen nach, beobachtet sie und masturbiert auf der Damentoilette. Agnes lebt mit einem proletenhaften Lover zusammen, der sie jedoch ständig beschimpft und schließlich aus der Wohnung wirft. Das Verhältnis der drei Brüder zum egozentrischen Vater Günther ist unterschiedlich. Werner sieht die Besuche bei ihm mehr als Pflicht an, Hans-Jörg hat einen regelrechten Hass gegen seinen Vater, da er vermutet, dass dieser seinen jüngsten Bruder als Kind missbraucht hat, was dann zu dessen Transsexualität geführt habe. Einzig Agnes' Verhältnis zum Vater scheint halbwegs intakt zu sein.

Hans-Jörgs voyeuristischen Aktivitäten am Arbeitsplatz werden entdeckt und er verliert seinen Job. Nachdem er einen weiteren Besuch von Agnes beim Vater beobachtet, kommt er fälschlicherweise zu dem Schluss, dass er mit seinen Missbrauchsvermutungen richtig liegt und erschießt den Vater nachts. Daraufhin wendet er sich an Manni Moneto, einen Pornoproduzenten, den er in seiner Selbsthilfegruppe für Sexsüchtige kennengelernt hat. Während des Drehs lernt er hier die attraktive Desiree kennen, in die er sich verliebt und der er von seiner Tat erzählt. Sie schlägt ihm vor, sich gemeinsam ins Ausland abzusetzen.

Sonstiges

Auffällig sind mehrere Anspielungen auf andere Filme. So ist die Szene, die Hans-Jörg fälschlich zur endgültigen Annahme bringt, dass sein Vater Agnes missbraucht, sehr ähnlich im Film American Beauty zu finden.Doch nicht nur die Anspielungen auf andere Filme sind auffällig. Besonders eklatant und journalistisch keineswegs betrachtet wurde die offenbare Adaption des erfolgreichen Romans von Jonathan Franzen "Korrekturen". Es geht um Glückssucher aus halbwegs kaputten Familien. Bei Röhler ist der Vater mindestens Alkoholiker, bei Franzen hat er Parkinson. Begonnen bei der Geschwisterkonstellation, der sexbesessene Schwerenöter und Literaturdozent heißt bei Franzen "Chuck" und ist Erzähler des Romans. Ebenso wie Moritz Bleibtreu in Roehlers Film wird auch Chuck von seiner zwanghaften Obsession für junge, schöne Frauen geplagt. Der beruflich im Finanzgewerbe erfolgreiche, verklemmte und neurotische Bruder heißt bei Franzen Gary - bis hin zu Details: die vom Sohn installierte und die gesamte Familie peinlichst beobachtende Kamera wird bei Franzen ebenfalls durch den Sohn von Gary installiert. So finden sich unendlich viele weitere Details, die eins zu eins aus Franzens Roman übernommen wurden. "Agnes" füllt bei Franzen allerdings die Position der lesbischen Schwester Denise. Vermutlich waren die Filmrechte der Korrekturen sehr teuer, oder aber Oskar Roehler wollte mit dieser Fährte überprüfen, ob es noch Literaturleser im Filmpublikum gibt. Einer solchen Überprüfung halten zumindest deutsche Filmkritiker nicht stand. Dies ist erstaunlich, wo doch die Korrekturen in der Übersetzung erst zwei Jahre vorher und mit ähnlich großem Erfolg wie in den USA erschienen sind.

Kritiken

  • Lexikon des internationalen Films: Kein Thesenfilm, sondern ein vitaler, mosaikartig gewebter Diskurs mit mancherlei Leerstellen und Assoziationsangeboten, der eine verunsicherte, um Identität und Glück ringende Gesellschaft zeigt. Das hervorragende, strikt gegen den Strich besetzte Darsteller-Ensemble verlebendigt in mitreißender Spiellaune die Figuren, die viel Raum zur Entwicklung bekommen und ihre psychischen Verletzungen und frustrierten Glückserwartungen offenbaren.


Auszeichnungen

  • 2005 - Bayerischer Filmpreis für Oskar Roehler für das beste Drehbuch
  • 2005 - Deutscher Filmpreis für Katja Riemann für die beste weibliche Nebenrolle


Weblinks





Dieses Dokument basiert unter anderem auf dem Artikel "Agnes und seine Brüder" (Stand: Thu, Aug 21st 2008, 16:06) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Dieser Text steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der früheren Autoren ist verfügbar.