Die fetten Jahre sind vorbei
Meine Bewertung
Filminfo
Darsteller
- Burghart Klaußner als Hardenberg
- Stipe Erceg als Peter
- Julia Jentsch als Jule
- Daniel Brühl als Jan
Regie
- Hans Weingartner
Drehbuch
- Hans Weingartner (Y3 Film)
Kamera
- Matthias Schellenberg
Schnitt
- Andreas Wodraschke
Produzent
- Antonin Svoboda
Musik
- Andreas Wodraschke
Erscheinungsjahr
2004Produktionsland
DeutschlandOriginalsprache
DeutschOriginaltitel
Die fetten Jahre sind vorbeiLänge
127 MinutenAltersfreigabe (FSK)
12 JahreHandlung
Die WG-Bewohner Jan und Peter sind zwei zwanzigjährige Großstadtrevolutionäre, die eine außergewöhnliche Form des Widerstands gegen das etablierte Bürgertum entwickelt haben. Sie brechen in Villen ein, stehlen jedoch nichts. Stattdessen verrücken sie Möbel, zweckentfremden Luxusgegenstände und hinterlassen die Botschaften „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zu viel Geld“, letztere unterzeichnet mit der Signatur: „Die Erziehungsberechtigten“. Sie wollen damit die Geschädigten zum Nachdenken bewegen.Peters Freundin Jule ist wegen hoher Schulden niedergeschlagen. Peter lädt Jule daher zu einem Kurzurlaub nach Spanien ein. Aufgrund eines Mietrückstands erhält sie eine Räumungsklage von ihrem Vermieter, und Peter fliegt alleine. Jan hilft Jule beim Renovieren. Dabei lernen die beiden einander kennen, und eine Romanze entwickelt sich zwischen ihnen. Jule glaubte bislang, die nächtliche Abwesenheit von Peter und Jan sei dem Plakatieren geschuldet. Jan weiht sie ein und zeigt ihr eine Villa, die er ausspäht.
Als Jule erkennt, dass sie sich in Zehlendorf befinden, fahren die beiden zur Villa des Gläubigers von Jule.Bald stellt sich heraus, dass der entführte alles andere als ein herzloser „Bonze“ ist. Vielmehr berichtet er von seiner Zeit im Vorstand des SDS, seiner Bekanntschaft mit Rudi Dutschke und all den Affären in seiner damaligen WG mit drei Männern und drei Frauen, wo er auch seine spätere Ehefrau kennenlernte. Als Hardenberg sich an die „Freie Liebe“ von damals erinnert, meint er, dies ja kaum dem Dreiergespann schildern zu müssen. Dadurch verrät er die Beziehung von Jan und Jule an Peter und gibt sich erstaunt, dass dieser nichts davon weiß.
Die drei Jugendlichen beschließen, dass die Entführung „moralisch unter aller Sau“ war, und bringen Hardenberg wieder zu seiner Villa zurück. Vor dem Abschied drückt dieser Jule eine handgeschriebene Verzichtserklärung auf die Ansprüche aus dem Auffahrunfall in die Hand und sagt dabei: „Ich will doch nicht dein Leben verbauen“. Ferner sagt Hardenberg, dass man „die Bullen“ aus dem Spiel lassen könne.
Trotzdem wird am darauffolgenden Morgen die Wohnung von Peter und Jan von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei gestürmt, wird jedoch leer vorgefunden. Hardenberg sitzt mit Anzug und Krawatte, ganz der Alte, in einem Polizeiwagen und ist Zeuge der Wohnungsstürmung. Jule, Peter und Jan sind in einem fernen Hotel in einem spanischsprachigen Land. In der eigentlichen Version des Films ist hiermit Schluss und es folgt der Abspann mit dem Titelsong „Hallelujah“ (Jeff Buckley).
In einer anderen Version, die in Deutschland im Kino gezeigt wurde und die auch auf der DVD zu finden ist , folgt jedoch noch eine weitere Szene, in der man die Drei mit vornehmen Anzügen und einer Yacht zu einer Insel aufbrechen sieht. Die Yacht gehört mutmaßlich Justus Hardenberg, da sich ein älterer Bootsführerschein mit seinem Bild und dem Wohnort „2400 Lübeck“ im Boot befindet. Diese Insel wurde schon zweimal vorher im Film auf einem Foto gezeigt und Jan plante schon länger, die dort stationierten wichtigen Steuerungsanlagen von Fernsehsatelliten lahmzulegen. Diese zweite Version des Films hat im Abspann ein anderes Lied.
Kritiken
- Film-Dienst: Erfreulich engagierte Filmerzählung über drei jugendliche Rebellen, die nicht zuletzt dank großartiger Darsteller überzeugt.
- Frankfurter Rundschau: eine erfrischende, glänzend gespielte Anti-Globalisierungskomödie
- Die Welt: ...furios inszenierter deutscher Cannes-Vertreter und in München zurecht Sieger des Förderpreises Deutscher Film für die beste Regie, führt exemplarisch vor, was das deutsche Kino derzeit zu sagen hat.
Trivia
- Der Film wurde mit digitalen Videokameras absichtlich im Handkamera-Stil gedreht, wodurch das Bild oft leicht wackelig ist.
- Der Film wird in Österreich vom Filmladen vertrieben.
- Europaweit verzeichnete der Film rund 1,3 Millionen Kinobesuche – davon knapp 900.000 in Deutschland, 70.000 in Österreich und 70.000 in der Schweiz. Die meisten Besuche in einem nicht-deutschsprachigen Land erreichte der Film in der Türkei und in Frankreich, wo jeweils ebenfalls rund 70.000 Personen den Film sahen. Lumiere – Datenbank über Filmbesucherzahlen in Europa
- In den USA stand der Film auf Platz 1 der DVD-Charts für fremdsprachige Filme.
- In den USA bereitet man derzeit ein Remake des Films in englischer Sprache vor. Jake Gyllenhaal soll die männliche Hauptrolle spielen.
- Die von Jeff Buckley interpretierte Version von Cohens "Hallelujah" ist im Film zwar prominent platziert, aber nicht auf dem Soundtrack enthalten. Es findet sich dort allerdings eine Version dieses Songs von Lucky Jim.
- Die Hintergrundmusik im DVD-Menü sowie in einem Filmtrailer ist der Song "Easy to Love" der Band Slut ohne Gesang.
- Laut Regisseur wollte er den Film mit dem „schlechten“ Ende enden lassen, so wie in der Kino-Fassung geschehen. Aufgrund von Anfragen entschloss er sich dann jedoch, das vermeintlich positive Ende auf die DVD zu packen.
Auszeichnungen
Als erste deutschsprachige Produktion seit 1993 nahm der Film beim Filmfestival in Cannes am Wettbewerb um die Goldene Palme teil.Dort wurde er vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert. In München wurde der Film im Sommer 2004 mit dem bayerischen Filmförderpreis ausgezeichnet.Daniel Brühl wurde bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2004 als Bester Darsteller nominiert, musste sich aber Javier Bardem für den Film Das Meer in mir geschlagen geben. Der Film gewann beim Deutschen Filmpreis als Bester Spielfilm in Silber und Burghart Klaußner als Bester Nebendarsteller. Zudem erhielt Die fetten Jahre sind vorbei eine Nominierung für die Beste Regie.
Weblinks
- Offizielle Webseite
- Presseschau auf film-zeit.de
- Kritische Stimmen zum „revolutionären Charakter“ des Films
- Filmheft Bundeszentrale für politische Bildung
- Essay zum Film: Erziehungsethos ohne Zeigefingermoral. „Die fetten Jahre sind vorbei (2004)“ als globalisierungskritisches Aufklärungskino von Josef Bordat
Einzelnachweise
Dieses Dokument basiert unter anderem auf dem Artikel
"Die fetten Jahre sind vorbei" (Stand:
Tue, May 13th 2008, 22:42)
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