Ein Fremder ohne Namen

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Filminfo

Darsteller

Regie

  • Clint Eastwood

Drehbuch

  • Ernest Tidyman

Kamera

  • Bruce Surtees

Schnitt

  • Ferris Webster

Produzent

  • Robert Daley

Musik

  • Dee Barton

Erscheinungsjahr

1973

Produktionsland

USA

Originalsprache

Englisch

Originaltitel

High Plains Drifter

Länge

105 Minuten

Altersfreigabe (FSK)

18 (indiziert) Jahre
Ein Fremder ohne Namen ist ein US-amerikanischer Western aus dem Jahre 1973. Regisseur und Hauptdarsteller ist Clint Eastwood. Der Film beschreibt die Rache eines namenlosen Revolverhelden an den Mördern seines Bruders.

Handlung

Ein namenloser Fremder kommt in eine kleine Goldminenstadt. Er erschießt drei Männer, die ihn bei der Rasur gestört haben, und vergewaltigt eine Frau, die ihn beschimpft hat. Anstatt etwas gegen ihn zu unternehmen, engagieren ihn die Bewohner der Stadt, um sie vor drei Verbrechern zu beschützen, die sie ins Gefängnis gebracht hatten und die jetzt kommen werden, um sich dafür zu rächen. Es stellt sich heraus, dass die Einwohner des Ortes zu feige sind, um sich selbst zu verteidigen, was der Fremde ihnen vorwirft.

Mit der Zeit tritt zutage, dass die ankommenden Verbrecher einst als Revolverhelden von der örtlichen Goldmine angestellt waren, um sie zu beschützen. Dass die Mine auf staatlichem Grund und Boden stand und somit illegal war, war dem örtlichen Marshal bekannt. Als dieser gedroht hatte, diese Information publik zu machen, wurde er von den drei Männern zu Tode gepeitscht, ohne dass auch nur einer der Bewohner dagegen eingeschritten wäre.

Die drei Revolverhelden wurden schließlich zu übermütig und bemächtigten sich der Goldvorräte der Mine. Dafür wurden sie schließlich ins Gefängnis gesteckt. Die drei anderen Männer, die der Fremde zu Beginn tötete, waren ebenfalls da, um die Bewohner des Ortes zu beschützen. Auch sie hatten schnell gemerkt, dass es sich bei dem Städtchen um einen Ort von Feiglingen handelt, und führten sich derart übel auf, dass man am Ende froh sein konnte, dass der Fremde sie tötete.

Als Beschützer mit allen erdenklichen Vollmachten ausgestattet, greift der Fremde zu immer unorthodoxeren Mitteln, um die Bewohner der Lächerlichkeit preiszugeben. Er macht Mordecai, den Dorftrottel des Ortes, einen Kleinwüchsigen, zum Sheriff und zum Bürgermeister und weist die Leute an, alle Häuser rot anzustreichen, um den erwarteten Verbrechern einen gebührenden Empfang zu bereiten. Derart bloßgestellt und ihres eigenen Unvermögens bewusst gemacht, wollen ein paar Männer den Fremden töten, bezahlen diesen Plan allerdings mit dem Leben.

Als sich die drei Männer schließlich nähern, hält sich der Fremde bewusst im Hintergrund und überlässt die Bewohner ihrem Schicksal. Am Ende hat der Ort eine Reihe Bewohner weniger, die drei Verbrecher jedoch werden vom Fremden getötet.

Nachdem seine Arbeit getan ist, reitet der Fremde wieder davon. Auf dem Friedhof begegnet er Mordecai, der dabei ist, das Grab des ermordeten Marshals wieder herzurichten. Auf die Frage, wer er denn sei, entgegnet der Fremde, er sei des Marshals Bruder. In der originalen Sprachfassung wird der Zuschauer nicht direkt aufgeklärt, sondern kann nur Vermutungen anstellen.

Hintergrund

Dass der Titelheld der Bruder des ermordeten Marshals ist, ist eine Verfremdung der Story, die durch die deutschen Fassung verursacht wird. Im Original kann man nur Mutmaßungen anstellen. Dort antwortet der Fremde dem zwergwüchsigen Sheriff, als jener den Namen des längst verstorbenen Marshalls nachträglich auf die Grabtafel gravierte, auf die Frage nach seinem Namen ("I never did know your name") mit einem "Yes, you do". Der Titelheld hat sogar Erinnerungen an die Ermordung des Marshals, und so könnte man gar vermuten, der Marshal sei von den Toten zurückgekehrt, um Rache zu üben, denn wie kann der durch die deutschen Fassung hinzugedichtete Bruder solche Erinnerungen haben?Durch diesen Umstand in der deutschen Fassung verliert die Figur einen Teil ihres mythischen Charakters als Racheengel, den sie durch das schemenhafte Erscheinen und Verschwinden zu Beginn und zum Ende des Films erhält.

In diesem Film variiert Eastwood ein weiteres Mal den Typus des wortkargen, zynischen und namenlosen Einzelgängers, einer Figur, die eigentlich untypisch ist für Western US-amerikanischer Herkunft. So ist der Streifen in seiner Machart und der Figurenzeichnung der antiheldenhaften Titelrolle deutlich vom Italo-Western beeinflusst, der 1973 den amerikanischen Vertretern dieses Genres klar den Rang abgelaufen hatte. Auch kann er als Hommage an die Regisseure gesehen werden, denen Clint Eastwood seine Popularität und seinen Erfolg zu verdanken hatte. Dementsprechend tragen zwei Grabsteine, die im Film zu sehen sind, die Namen von Sergio Leone und Don Siegel.

Kritiken

film-dienst: Western von und mit Clint Eastwood, geradlinig inszeniert und schön fotografiert. Eastwood bastelt an seinem Mythos: Er ist der undurchsichtige, einsame Rächer, kaltblütig, zynisch und brutal. Das Faustrecht im Dienst der Männermoral. http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=25499

Joe Hembus führt aus, Eastwood habe mit Ein Fremder ohne Namen Leones Für eine Handvoll Dollar noch einmal auf seine Weise gedreht; der Film sei somit „eine faszinierende Fußnote zur Wirkungsgeschichte von Sergio Leone.“ Er treibe „alles, und vor allem alles Morbide und Barocke, auf den Höhepunkt.“ Der Fremde ohne Namen sei „eigentlich Jesus Christus, gekreuzigt, begraben, aber unsterblich: wiederauferstanden, um ohne zu zögern, aber unter Einhaltung aller Rituale, das Jüngste Gericht abzuhalten.“Joe Hembus: Western-Lexikon - 1272 Filme von 1894-1975. Carl Hanser Verlag München Wien 2. Auflage 1977. ISBN 3-446-12189-7. S.150

Phil Hardy merkt an, der Film sei „einer der aufregendsten und mysteriösesten Western der 1970er.“ Eastwood arbeite „mit Leone-artigen Flashbacks“, ahme „Leones höchst manieristischen Stil“ nach, doch die Wendungen, die Eastwood dem Material gebe, seien „gänzlich seine eigenen“. Das Ergebnis sei eine „hinreißend selbstbewußte, formalisierte und abstrakte Arbeit.“Phil Hardy: The Encyclopedia of Western Movies. Woodbury Press Minneapolis 1984. ISBN 0-8300-0405-X. S.338

Drehorte

  • Mono Lake, , USA. Eastwood ließ für den Film ein komplettes funktionstüchtiges Dorf am Seeufer errichten und setzte sich mit der Wahl des Drehortes gegen die Produzenten durch, die den Film komplett im Studio drehen lassen wollten.


Einzelnachweise



Weblinks





Dieses Dokument basiert unter anderem auf dem Artikel "Ein Fremder ohne Namen" (Stand: Fri, Apr 11th 2008, 20:07) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Dieser Text steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der früheren Autoren ist verfügbar.