Teufelsbraten

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Filminfo

Darsteller

Regie

  • Hermine Huntgeburth

Drehbuch

  • Volker Einrauch

Kamera

  • Sebastian Edschmid

Produzent

  • Günter Rohrbach

Erscheinungsjahr

2007

Produktionsland

Deutschland

Originalsprache

Deutsch

Originaltitel

Teufelsbraten

Länge

je 85 Minuten
Teufelsbraten ist ein zweiteiliger Fernsehfilm von Hermine Huntgeburth aus dem Jahr 2007, eine Produktion der Colonia Media im Auftrag des WDR und ARTE. Die Handlung spielt über einen Zeitraum von 11 Jahren (1951-1962). Die Protagonistin Hildegard Palm ist zu Beginn des Films fünf und zum Schluss sechzehn Jahre alt.

Der Film spielt im en Dondorf im Rheinland nicht weit von und Düsseldorf gelegen, nicht zu verwechseln mit dem realen Dondorf von Hennef , die meisten Außenaufnahmen entstanden jedoch in , Velbert und Duisburg. Es handelt sich um die Geschichte der kulturellen und sozialen Befreiung der Protagonistin aus ihrer Herkunft im rheinisch-katholischen Arbeitermilieu.

Handlung

Die kleine Hildegard, Tochter eines Arbeiters und einer Putzfrau, wird von ihrer Familie, in der auch noch die Großeltern und eine Tante leben, "Teufelsbraten" (Düvelsbrode) geschimpft, weil sie mit ihrer ernsthaften und wissbegierigen Art, fest entschlossen, lesen und schreiben zu lernen, von ihrer proletarischen, streng rheinisch-katholischen, Dialekt sprechenden Familie als Fremdkörper empfunden wird, der nicht zu ihrer Welt gehört. Nur der kranke Großvater, der ihr häufig vorliest, versteht sie; er hat die Grundlage zu ihrem Bildungshunger gesetzt.

Mit 10 Jahren wird Hildegard in die Mittelschule aufgenommen. Dort lernt sie Hochdeutsch zu sprechen, sich mit Literatur zu beschäftigen, und findet Freunde aus dem Mittelstand. Die Eltern sind zunehmend mit ihrer Entwicklung überfordert; ihre Sprache, Tischmanieren und Freizeitinteressen lösen insbesondere bei ihrem Vater die Aggression des Benachteiligten aus. Er versucht, sie durch körperliche und verbale Gewalt auszubremsen und ihr einzureden, sie könne trotz Schule nichts "Besseres" werden und werde immer bleiben, was sie ist - ein Arbeiterkind. Hildegard fühlt sich zwischen den beiden Welten hin- und hergerissen; trotz ihrer Entwicklung zur zukünftigen Akademikerin liebt sie ihre Herkunftsfamilie. Auch der Vater liebt sie auf seine Weise; als er im Lotto gewinnt, erfüllt er ihr alle Wünsche, fährt mit ihr zum Kleidungskauf in die Großstadt, kauft ihr die gewünschte Zahnspange.

Mit 16 Jahren hat Hildegard das Angebot, das Aufbaugymnasium zu besuchen, um das Abitur zu absolvieren. Die Eltern verweigern sich und zwingen sie eine Ausbildung auf dem Büro der Fabrik anzufangen, in der der Vater arbeitet. An der Seite eines typischen Sekretariats-"Drachens" der frühen 1960er Jahre soll sie Ablage, Stenografie und Schreibmaschineschreiben lernen. Hildegard setzt sich gegen die Drangsalierung durch ihre Ausbilderin mit feinsinniger Obstruktion und einem Streich zur Wehr und erhält eine Abmahnung, woraufhin der verzweifelte Vater sie verprügelt und mit Gegenständen um sich wirft. Der Personalchef, zu dem Hildegard zitiert wird, erkennt jedoch in dem Moment, in dem sie ein Bild im Büro als von Marc Chagall stammend identifiziert, ihre subtilen Talente und lässt die Sache auf sich beruhen. Unglücklich mit ihren sie unterfordernden Zukunftsaussichten und von ihrem ersten Freund aus dem Mittelstandsmilieu verlassen, droht sie nach einem Initiationserlebnis mit Kräuterlikör dem Alkohol zu verfallen. Völlig betrunken liegt sie am Ufer des Rheins.

Auf einer Wiedersehensfeier fällt Hildegard durch diese Trunkenheit auf und wird von ihrem ehemaligen Realschul-Deutschlehrer zur Rede gestellt. Er erkennt die Gefahr und organisiert ein Gespräch zwischen Gemeindepfarrer, Hildegards Grundschullehrer und den Eltern. Alles wendet sich zum Guten dadurch, dass die Gemeinde anbietet, für das Schulgeld aufzukommen, und Hildegard darf - nun auch mit dem Einverständnis der Eltern - die zum Abitur führende Aufbaustufe besuchen.

Interpretation

Der Film ist eine charakteristische soziale Milieustudie der Zeit des Wirtschaftswunders (1950er und frühe 1960er Jahre) und füllt die Formel mit Leben. Im Gegensatz zum naturalistischen Drama wird aber das Milieu nicht determinierend verstanden, sondern das Individuum steht im Vordergrund. Es wird gezeigt, wie schwierig trotz Eigeninitiative die Emanzipation des Einzelnen aus dem Milieu ist, wenn nicht eine Unterstützung von Außen erfolgt. Insoweit zeigt der Film Parallelen zum literarischen Genre des Entwicklungsromans.

An Hand relativ authentisch rekonstruktierter Wohnräume, Krankenzimmer, Büros, Fabrikhallen, Schulklassen, eingeblendeter Musik und TV-Szenen ist der Film zugleich eine kultur- und zeitgeschichtliche Studie.

Da Testvorführungen im Frühjahr 2007 ergeben haben, dass die Sprache dieses in reinstem Kölsch produzierten Films in weiten Teilen des Landes nicht verstanden wurde, musste der Film in einer abgemilderten "rheinischen" Version nachsynchronisiert werden.

Trivia

Bei der als zentraler Schauplatz im Film gezeigten Brücke handelt es sich um die im Jahr 1950 wiederaufgebaute in -Uerdingen. In vielen Szenen ist der Krefelder Rheinhafen mit seinen Drehkränen und dem Containerterminal vom Mündelheimer Ufer aus zu erkennen. Dort auf Duisburger Rheinseite wurden die Szenen in den Rheinwiesen gedreht.

Alle Außenaufnahmen rund um Hildegards Elternhaus wurden in Velbert-Langenberg produziert - auf einer Straße namens "Sambeck".

Das Innere des Hauses der Familie Palm ist in einem Studio in -Godorf errichtet worden.

Literarische Vorlage

Der Roman "Das verborgene Wort" von Ulla Hahn diente als Vorlage für den Fernsehfilm.

Auszeichnungen

  • Produzent Günter Rohrbach erhielt für den Film "Teufelsbraten" 2007 den VFF TV Movie Award des Münchner Filmfests.


Weblinks



Teufelsbraten


Dieses Dokument basiert unter anderem auf dem Artikel "Teufelsbraten" (Stand: Sun, Mar 16th 2008, 21:05) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Dieser Text steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der früheren Autoren ist verfügbar.